Fünf Fragen an Andreas Schubert

„Arbeitsplatzkultur ist keine Sache, die vom einen auf den anderen Tag kommt“, sagt Andreas Schubert, Geschäftsführer von Great Place to Work ® Deutschland. Der Diplom-Psychologe war 2002 bereits an der Institutsgründung beteiligt und blickt auf langjährige Erfahrung beim Thema Arbeitsplatzkultur zurück.

Frage eins: Herr Schubert, wann ist ein mittelständisches Unternehmen ein guter Arbeitgeber? Das heißt, was sind Ihrer Erfahrung nach die wichtigsten Faktoren für eine gute Arbeitsplatzkultur?

Andreas Schubert: Da haben Sie schon ein wichtiges Stichwort gegeben: Ein mittelständisches Unternehmen ist dann ein guter Arbeitgeber, wenn es über eine gute Arbeitsplatzkultur verfügt und sich darum bemüht, das Thema nach vorn zu bringen. Was uns zudem auffällt ist, dass gute Arbeitgeber eine starke Werteorientierung haben, auf die sie ihre Führungsprinzipien und ihre Personalpolitik ausrichten. Wenn wir die Faktoren betrachten, die besonders arbeitgeberfreundliche Unternehmen auszeichnen, so zeigen sich drei Beziehungsebenen, in denen eine besondere Qualität sichtbar ist: Die Beziehung von Management und Mitarbeitern, bei der das Thema Vertrauen eine besondere Rolle spielt, getragen durch Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness. Die Beziehung der Menschen zu ihrer Arbeit, bei der Stolz eine wichtige Qualität darstellt. Und die Beziehung zu den Kollegen, bei der es vor allem um Teamgeist geht.

Frage zwei: Welche Maßnahmen führen zu einer guten Arbeitsplatzkultur?     

Andreas Schubert: Es lässt sich nicht verallgemeinern, welcher Weg oder welche Instrumente eine gute Arbeitsplatzkultur bedingen. Die Unternehmen gehen ihre individuellen Wege und sie gehen dabei oft ganz pragmatisch vor. Sie befragen die Mitarbeiter, was ihnen wichtig ist, um motiviert zu arbeiten und ihre Leistung gut ins Unternehmen einzubringen, und bauen darauf auf. Arbeitsplatzkultur ist keine Sache, die vom einen auf den anderen Tag kommt. Vielmehr gilt es, diese immer weiter zu entwickeln. Die Unternehmen müssen das Thema mit Nachhaltigkeit verfolgen und stetig auf der Agenda halten.  

Frage drei: Im Jahr 2003 wurde erstmals die Liste „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ veröffentlicht. Welche Entwicklungen haben Sie seitdem wahrgenommen?

Andreas Schubert: Es zeichnet sich ab, dass Unternehmen heute individueller auf die Ansprüche der Mitarbeiter eingehen, als dies noch vor zehn oder zwanzig Jahren der Fall war. Das ist sicherlich ein Trend. Ein zweiter Trend betrifft die Themen Mitbestimmung oder auch Demokratisierung sowie Sinnstiftung – also was kann ein Unternehmen tun, um Mitarbeiter aktiv in das Geschehen einzubinden? Bei der Einbindung der Mitarbeiter sehen wir auch einen Nachholbedarf bei den Unternehmen, aber nicht nur in Deutschland. Agilität ist ein weiteres Thema: Wie können Unternehmen Strukturen schaffen, mit denen sie schnellen Marktveränderungen gerecht werden und eine hohe Innovationsfähigkeit sicherstellen? Wie können sie Menschen für diese Veränderungen motivieren und begeistern und zu Mitgestaltern von Veränderungen machen? Im Zuge der demografischen Entwicklung ist zudem für die Unternehmen die Frage wichtig, wie sie sich aufstellen müssen, um als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Frage vier: Arbeitsministerin Andrea Nahles hat eine Offensive zur Arbeit 4.0 gestartet. Wie werden diese und weitere New Work-Initiativen die Arbeitsplatzkultur in Deutschland verändern? 

Andreas Schubert: Es ist auf jeden Fall gut, dass diese Diskussion angestoßen wurde: Was brauchen wir, um für die Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben? Themen, die sich unter dem Schlagwort „New Work“ einfinden, sind nicht neu geboren, sondern beschäftigen die Unternehmen schon seit längerem. Es geht unter anderem um neue Führung, um Flexibilisierung, um Innovationsfähigkeit, neue Organisationsformen und Digitalisierung. Hier geht es in innovationsgetriebenen Organisationen darum, hierarchische Führungsprinzipien abzulösen durch Coaching-orientierter Führung und Netzwerkstiftung. Und es geht auch hier um die Gestaltung von Flexibilisierung und Demokratisierung. Wie nachhaltig diese Themen unsere Arbeitswelt in Zukunft betreffen werden, hängt auch davon ab, ob die Offensive zur Arbeit 4.0 konkrete Lösungen erarbeitet. Wir sehen in unseren Untersuchungen erfreulicherweise, dass es hierzulande Unternehmen gibt, die bereits sehr gute Lösungen haben.

Frage fünf: Basis für die Teilnahme am Great Place to Work® Wettbewerb ist eine Mitarbeiterbefragung. Wie schaffen es die Unternehmen, dass die Ergebnisse auch umgesetzt werden? 

Andreas Schubert: Wichtig ist erstens eine ungeschminkte, offene Kommunikation. Die Unternehmensleitung müssen einen Dialog führen und deutlich machen, welche Erkenntnisse sie aus der Befragung ziehen und welche Handlungsfelder sich daraus ergeben. Zweitens kommt es darauf an, die Mitarbeiter bei der Ausgestaltung der Handlungsfelder einzubinden. Es gilt, diese so zu gestalten, dass die Veränderungen wirklich ankommen und auch den Bedarf der Mitarbeiter decken.  Der dritte Punkt ist, dass die Unternehmen ausreichende Ressourcen für die Umsetzung bereitstellen. Es gibt zentrale Themen, die das gesamte Unternehmen betreffen, sowie Themen, die in den Organisationseinheiten behandelt werden müssen. Hierfür müssen geeignete Formate wie Workshops gefunden werden. Die Führungskräfte müssen richtig eingebunden werden und es müssen Multiplikatorenveranstaltungen auf den Weg gebracht werden, um sie für die Umsetzung zu befähigen. Schließlich gilt es, den Erfolg der Maßnahmen zu messen und ebenfalls zu kommunizieren. Die Herausforderung ist, das Schwungrad am Laufen zu halten, denn die Mitarbeiterbefragung ist ein wichtiges Unternehmensentwicklungsinstrument. Wir können sehen, dass Unternehmen bei einer nachhaltigen Umsetzung ihren wirtschaftlichen Erfolg sichtbar steigern konnten, gemessen über signifikante Umsatzentwicklung, sinkende Mitarbeiterfluktuation und Krankenstand, steigende Kundenzufriedenheit und Bindung und weiteren Kriterien. Es lohnt sich, den Weg zu gehen. 

Zur Person

Der Diplom-Psychologe Andreas Schubert befasst sich in seiner Arbeit schwerpunktmäßig mit den Themen Business Development, Kooperationen und Netzwerke sowie mit der Grundlagenforschung. Er hat Wirtschaftspsychologie an der University of Manchester studiert sowie Psychologie an der TU Darmstadt und der HU Berlin. Von 1997 bis 2010 war Andreas Schubert Vorstandsvorsitzender der des Online-Marktforschungsunternehmens YouGovPsychonomics AG, seit Januar 2011 fungiert er als Geschäftsführender Gesellschafter bei Great Place to Work® Deutschland.

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