Fünf Fragen an Joël Luc Cachelin

„Der Einzug der Maschinen in die Unternehmen führt dazu, dass die Mitarbeitenden eine andere Rolle im Wertschöpfungsprozess einnehmen und auch andere Fähigkeiten brauchen“, sagt Joël Luc Cachelin. Der Geschäftsführer der Wissensfabrik aus dem schweizerischen Dulliken untersucht die digitale Zukunft der Menschheit.

Frage eins: Herr Cachelin, die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt erleichtert Arbeitsabläufe, die Zusammenarbeit und Kommunikation. Sehen die Mitarbeiter in den Unternehmen diese Chancen oder befürchten sie eher Risiken, die durch die Digitalisierung entstehen?

Joël Luc Cachelin: Das kann man nicht verallgemeinern. Es hängt wohl davon ab, wie sehr jemand im Umgang mit den neuen Medien geübt ist und wie sehr er oder sie sich von der Digitalisierung bedroht fühlt. Risiken rücken dann in den Vordergrund, wenn ein Beschäftigter Angst davor hat, seinen Job zu verlieren, oder wenn Angst vor einer Relativierung von Macht, Status und Kontrolle besteht, wie dies häufig im Top-Management der Fall ist. 

Frage zwei: Was ist Ihre persönliche Einschätzung zur Zukunft von Arbeit und Führung?     

Joël Luc Cachelin: Dazu könnte ich natürlich sehr vieles sagen. Für mich wandelt sich quasi jedes Unternehmen zu einem IT-Unternehmen. Der Einzug der Maschinen in die Unternehmen führt zu einem Skill-Shift – also dazu, dass die Mitarbeitenden eine andere Rolle im Wertschöpfungsprozess einnehmen und auch andere Fähigkeiten brauchen. Führungsrollen werden sich ausdifferenzieren und sich allgemein in Richtung Coaching, Beratung und Begleitung entwickeln. Zudem werden wir eine Vervielfältigung der Arbeitsverhältnisse erleben, wobei insbesondere Konstrukte zwischen Anstellung und Selbstständigkeit zunehmen werden.   

Frage drei: Wo liegen Ihrer Ansicht nach die hauptsächlichen Risiken der digitalen Arbeitsumgebung und der damit verbundenen unternehmenskulturellen Veränderungen? 

Joël Luc Cachelin: Das größte Risiko liegt in der Unterschätzung der Digitalisierung. Arbeitswelten verändern sich nicht nur räumlich, zum Beispiel durch das Ersetzen von Einzelbüros durch Zonenkonzepte. Sondern es werden auch neue digitale Arbeitsumgebungen und neue Arbeitskulturen benötigt. PDF, E-Mail und Citrix sind nicht der Abschluss der digitalen Arbeitswelt, sondern erst der Anfang. Diesem Risiko der Unterschätzung der Digitalisierung sind andere Risiken wie fehlende Kompetenzen mit sozialen Medien oder Cyberrisiken nachgelagert.  

Frage vier: Welche Herausforderungen ergeben sich dadurch für das HR-Management? 

Joël Luc Cachelin: HR muss die digitale Transformation annehmen, verstehen und davon ausgehend sein Aufgabenportfolio und seine eigenen Kompetenzen anpassen. Strategien werden wichtiger als Prozesse, es braucht eine Orientierung am Gesamtsystem und nicht an Einzelpersonen. Wenn HR aktiv die Arbeitsumgebung der Zukunft gestalten will, muss es sich auch mit der IT und dem Facility Management kurzschließen und gemeinsame Projekte starten. 

Frage fünf: Wie wird die Personalabteilung der Zukunft aussehen? Welchen Stellenwert wird das HR-Management innerhalb des Unternehmens einnehmen?

Joël Luc Cachelin: HR-spezifische Fragestellungen werden an Bedeutung gewinnen. Indes sind verschiedene Organisationsformen denkbar, die sich an der jeweiligen Geschichte und den Herausforderungen sowie der Größe des Unternehmens orientieren. Ich sehe grob drei Varianten: Erstens eine integrierte Lösung durch den Zusammenschluss von HR und IT. Zweitens eine Auflösung von HR beziehungsweise eine Delegation der Aufgaben an die Linie oder direkt an die Mitarbeitenden. Eine dritte Variante ist ein netzwerkorientiertes HR-Management, das sich an Projekten und Crowds orientiert. 

  

Zur Person

Joël Luc Cachelin hat an der Universität St. Gallen studiert, promoviert und an zwei Instituten gearbeitet. Seit 2009 ist er Geschäftsführer der Wissensfabrik, eines Think Tanks für die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft mit Sitz in Dulliken, Schweiz. Joël Luc Cachelin hat mehrere Sachbücher zum Thema Digitalisierung veröffentlicht. Sein aktuelles Werk „Offliner: Die Gegenkultur der Digitalisierung“ zeigt die Triebkräfte der digitalen Kultur auf sowie Wege, wie Onliner und die Gegner der Digitalisierung zusammenleben können.

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