Fünf Fragen an Jörg Klausch zum Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im HR-Bereich

Portrait des perbit Geschäftsführers Jörg Klausch

„Eine Vorreiterrolle für den Einsatz künstlicher Intelligenz in HR könnte das Recruiting einnehmen, da in diesem Bereich ein hoher Bedarf an Softwareunterstützung und ein beschleunigter Wandel der Anforderungen existieren“, sagt Jörg Klausch. Im Interview zeigt der perbit Geschäftsführer Anwendungsfälle von KI im Personalbereich auf und erläutert, wie Unternehmen vorgehen sollten, damit Digitalisierungs- und KI-Projekte zu den gewünschten Ergebnissen führen.

Frage eins: Herr Klausch, „Künstliche Intelligenz im Personalbereich“ ist der Titel einer Studie, die Human Resource & Change Management kürzlich im Auftrag von perbit durchgeführt hat. Welches Ergebnis hat Sie am meisten überrascht?


Jörg Klausch: Der Begriff „überrascht“ ist meiner Ansicht nach nicht ganz treffend. Ich würde eher sagen: Welches Ergebnis der Studie war besonders interessant oder bedeutsam? Die Antwort auf diese Frage lautet: Es gibt ein klares Missverhältnis zwischen der Absicht der Unternehmen, künstliche Intelligenz einzusetzen, und dem geringen Angebot an KI-Lösungen. Bei der Befragung von Personalverantwortlichen und Geschäftsführern beziehungsweise Vorständen aus 155 Organisationen gaben 24 Prozent der Teilnehmer an, dass künstliche Intelligenz Bestandteil ihrer Digitalisierungsprojekte ist. Aber bislang sind nur wenige KI-Lösungen am Markt verfügbar. Dieses Studienergebnis ist insofern bedeutsam, weil es ein klares Signal für die Anbieter sendet, in die Entwicklung von praxistauglichen KI-Anwendungen zu investieren. Laut Studie sind aus Sicht der Personalabteilungen KI-Elemente für das Recruiting besonders attraktiv. 86 Prozent der befragten Unternehmen können sich vorstellen, eine künstliche Intelligenz zur Unterstützung der Personalgewinnung einzusetzen.

   
Frage zwei: Die Personalabteilungen sind also durchaus offen für den Einsatz von KI. Welche KI-Anwendungen für den Personalbereich werden sich Ihrer Einschätzung nach in den kommenden Jahren etablieren?

 
Jörg Klausch: Anwendungsmöglichkeiten sind überall dort gegeben, wo viele Daten vorliegen und wo die KI bei der Suche und Vorauswahl sowie bei der Lieferung zusätzlicher Informationen in HR unterstützt. Eine Vorreiterrolle für den Einsatz künstlicher Intelligenz in HR könnte das Recruiting einnehmen, weil ein hoher Bedarf an Softwareunterstützung und ein beschleunigter Wandel der Anforderungen vorhanden sind. Zudem gibt es heute schon gut funktionierende KI-Anwendungen auf dem Markt, die beispielsweise ein intelligentes Matching von Bewerbern und Stellenausschreibungen ermöglichen. Die künstliche Intelligenz erkennt Inhalte und Zusammenhänge anhand von unstrukturierten Informationen und liefert damit eine Grundlage für eine bessere Bewerbervorauswahl anhand der Kriterien in der jeweiligen Stellenausschreibung. Weitere Use Cases zur Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit – hier denke ich an das wichtige Stichwort „Employee Experience“ – können hinzukommen. Denn der Fachkräftemangel wird die Unternehmen weiterhin stark betreffen.

 
Frage drei: Welche Vorteile können sich durch den Einsatz von KI für die Personalabteilungen ergeben?

 
Jörg Klausch: Die grundlegenden Vorteile sind: Effizienzsteigerungen, Vereinfachung und Beschleunigung von Arbeitsprozessen sowie Transparenz. Wie die Studie zeigt, erhoffen sich die befragten Unternehmen positive Auswirkungen durch den Einsatz von KI insbesondere für die Bereiche Personalgewinnung und -auswahl, Personalplanung und -controlling. Bei den Überlegungen zur Einführung einer künstlichen Intelligenz steht in den meisten Fällen der konkrete Nutzen im Vordergrund. Es geht den Unternehmen um zu beziffernde Effizienzgewinne und Arbeitserleichterungen in Relation zu den zu erwarteten Kosten für die Einführung.

 
Frage vier: Von welchen weiteren Überlegungen machen die Unternehmen den Einsatz von KI abhängig?

 
Jörg Klausch: Die bereits genannte Kosten-Nutzen-Relation steht an erster Stelle, wenn über die Einführung einer KI-Anwendung nachgedacht wird. 88 Prozent der befragten Organisationen sehen ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis als wichtigste Voraussetzung für die Einführung an. An zweiter Stelle der Entscheidungskriterien steht die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen mit 68 Prozent. Da künstliche Intelligenz für viele Unternehmen Neuland ist, ist es wichtig, die Effizienzgewinne bald sichtbar zu machen. Hierfür ist es sinnvoll, mit überschaubaren Projekten zu starten. Das heißt, die Unternehmen sollten für den Anfang Use Cases mit großem Potenzial wählen, um Verbesserungen schnell sichtbar machen zu können. Bei der Auswahl der Use Cases spielen aber auch der Individualisierungsgrad und die Verfügbarkeit der Daten eine große Rolle. Ein Chatbot, der Mitarbeiteranfragen zu Themen aus dem Unternehmen oder Bewerberanfragen, die das Unternehmen betreffen, beantwortet, benötigt zur Informationsgewinnung den Zugriff auf nachgelagerte individuelle Systeme. Da die KI-Nutzung auch eine ethische Komponente hat, sind darüber hinaus Transparenz und eine frühzeitige Beteiligung aller Mitarbeitenden im Unternehmen wichtig, damit sich die erhofften Effizienzgewinne realisieren lassen.

 
Frage fünf: Wie gut sind die Personalabteilungen in Deutschland auf KI-Anwendungen vorbereitet? Wie können sie eine professionelle Basis schaffen, damit die Einführung funktioniert und die KI ihre Potenziale ausschöpfen kann?


Jörg Klausch: Den meisten Unternehmen ist bewusst, dass eine professionelle Vorbereitung auf Themen wie Datenaktualität und -schutz sowie Prozesstransparenz wichtig ist, damit ein Digitalisierungsprojekt oder die Einführung einer KI-Anwendung gelingt. Allerdings sehen sich die Organisationen nur unzureichend beraten. Lediglich neun Prozent der befragten Organisationen sagen, sie seien bei Digitalisierungsprojekten umfassend beraten worden. Bei KI-Projekten sind es sogar nur zwei Prozent. Die Beratung im Vorfeld ist also deutlich optimierungsbedürftig. Neben einer professionellen Beratung können die Personalabteilungen durch folgende Maßnahmen eine professionelle Basis schaffen: Sie sollten ihre Beschäftigten frühzeitig über geplante Projekte informieren und sie daran beteiligen und sie sollten Transparenz zu den vorhandenen Personalprozessen schaffen. Darüber hinaus gilt es, die Aktualität der vorhandenen Daten sicherstellen, ein Datenschutzkonzept zu erarbeiten und die Qualifizierung der Beteiligten zu den Digitalisierungs- beziehungsweise KI-Themen sicherzustellen.  
 
Jörg Klausch ist seit Januar 2012 zusammen mit Hendrik Kellermeyer Geschäftsführer der perbit Software GmbH.  Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker arbeitet seit 1995 für das Software- und Beratungsunternehmen und baute die Bereiche Produktmanagement sowie Consulting auf. Unter seiner Leitung wurden zwei Generationen von Human-Resources-Management-Systemen gestaltet und auf dem Markt eingeführt.

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