Fünf Fragen an Prof. Dr. Ulrike Hellert

„Flexible Arbeitszeit ist die Schlüsselressource der Zukunft, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu gewinnen und zu binden“, sagt die Direktorin des Instituts Arbeit & Personal an der FOM Hochschule. Ulrike Hellert gibt Einblicke in die praktische Umsetzung flexibler Arbeitszeitlösungen sowie einen Ausblick in die Zukunft der Arbeit.

Frage eins: Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeitmodelle an. Wie wichtig sind diese für die Mitarbeitergewinnung und -bindung?  

Ulrike Hellert: Flexible Arbeitszeit ist die Schlüsselressource der Zukunft, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu gewinnen und zu binden. Beschäftigte schauen vermehrt, welche Flexibilisierungsspielräume am Arbeitsplatz vorhanden sind. Insbesondere die jüngere Generation will die Arbeitszeit selbst gestalten und steuern – das gilt auch für den Arbeitsort. Das „Wann und Wo“ der Arbeit gewinnt an Bedeutung. Wichtig für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein ineinander Übergehen von Berufs- und Privatleben, die sogenannte Work-Life-Kohärenz. Diese bezeichnet das kontinuierliche Zusammenspiel von Arbeitsphasen sowie anderen Lebensbereichen und verweist auf den Zusammenhang von Anspannung und Entspannung als wichtige Voraussetzung für den Erhalt von Leistungsfähigkeit.   

Frage zwei: Wie sollten Unternehmen bei der praktischen Umsetzung flexibler Arbeitszeitlösungen vorgehen?     

Ulrike Hellert: Das A und O sind die rechtlichen Grundlagen. Die Arbeitszeitgesetze müssen eingehalten werden. Erholungszeiten, um biologische Grundbedürfnisse zu erfüllen und die Leistungsfähigkeit zu erhalten, sind von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus sollte die Arbeitszeitgestaltung lebensphasenorientiert sein und sie sollte partizipativ erfolgen. So können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre individuellen Wünsche einbringen. Bei Bedarf kann das Unternehmen eine externe Moderation und Beratung nutzen und es sollte ergänzend geeignete Schutzmechanismen etablieren. Es gilt, die Beschäftigten vor Überlastung zu schützen. Deshalb sind Regeln sinnvoll, die helfen, Multitasking und Dauererreichbarkeit zu vermeiden. Die Unternehmen sollten zudem ihre Beschäftigten dabei unterstützen, eine gute Zeitkompetenz zu entwickeln, Prioritäten zu setzen und eine Sache nach der anderen abzuschließen. Führungskräften kommt die Aufgabe zu, regelmäßig zu prüfen, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Überlastung bedroht sind, ob sie ihre Aufgaben überhaupt in der verfügbaren Arbeitszeit schaffen können.    

Frage drei: Was empfehlen Sie Unternehmen, wenn sie Vertrauensarbeitszeit einführen wollen? In welchen Fällen funktionieren selbstbestimmte und auf Vertrauen basierende Arbeitszeiten?    

Ulrike Hellert: Vertrauensarbeitszeit wird zunehmen und die Arbeitszeit der Zukunft sein. Die Erfordernisse der Arbeitswelt sind hochflexibel und lassen sich durch eine hochflexible Arbeitszeitgestaltung bewältigen. Diese setzt allerdings Vertrauen auf beiden Seiten – sowohl auf Seiten der Führungskräfte als auch auf Seiten der Beschäftigten – voraus. Voraussetzungen sind klare und partizipative Zielvereinbarungen über die zu erledigenden Aufgaben. Außerdem müssen die rechtlichen Grundlagen berücksichtigt werden.   

Frage vier: Zur Arbeitszeitflexibilisierung gehört auch das mobile Arbeiten. Welche Rahmenbedingungen sollten Unternehmen schaffen, damit hierbei die Lebensqualität nicht zu kurz kommt?   

Ulrike Hellert: Mobile Arbeit und Arbeiten im Homeoffice werden weiter an Bedeutung gewinnen. Diese Arbeitsweise bringt Vorteile für Unternehmen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Doch die Entscheidung hierfür sollte immer auf der Freiwilligkeit des Mitarbeiters beziehungsweise der Mitarbeiterin basieren. Unternehmen greifen bei dieser Arbeitsform in die Privatsphäre der Person ein. Daher müssen mobiles Arbeiten und Homeoffice zur jeweiligen Lebenssituation passen, die zum Beispiel durch die Pflege von Angehörigen oder die Kinderbetreuung geprägt wird. Die Lebensqualität darf nicht zu kurz kommen. Unternehmen sollten mit den Beschäftigten individuell vereinbaren, wann sie arbeiten und wann nicht. Das muss zudem mit den betrieblichen Erfordernissen abgestimmt werden.  

Frage fünf: Können Sie uns einen Ausblick in die Zukunft geben? Wie werden Arbeitszeitmodelle und Arbeitsorte in fünf oder zehn Jahren gestaltet sein?

Ulrike Hellert: Es wird eine zunehmende Flexibilität der Arbeitsplatz- und Arbeitsortgestaltung geben. Dieses Wachstum wird insbesondere im Dienstleistungsbereich auftreten. Immer mehr Menschen werden sich abstimmen. Dabei ist es wichtig, die Arbeitszeit menschengerecht zu gestalten. Wichtig ist es, die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit sowie die Motivation zu erhalten, da sich diese Faktoren direkt auf die Produktivität auswirken. Das Personalmanagement steht vor der großen Herausforderung, das alles zu koordinieren. Wichtig dabei ist es, die Vertrauenskultur im Unternehmen auszubauen. Denn durch den zunehmenden Wandel und die Digitalisierung entsteht Unsicherheit. Daher ist es wichtig, verlässliche und planbare Rahmenbedingungen zu schaffen und durch Führung sicherzustellen.  

Zur Person

Prof. Dr. Ulrike Hellert steht als Direktorin dem Institut Arbeit & Personal (iap) an der FOM Hochschule vor. Das iap bündelt die Forschungs- und Transferaktivitäten der FOM im Bereich der Arbeitsgestaltung, der Arbeitszeitforschung, des demografieorientierten Personalmanagements sowie der Arbeits- und Organisationspsychologie. Die Arbeitspsychologin ist zudem Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Moderne Arbeitszeiten sowie Coach, Referentin und Autorin. Ihr aktuelles Buch trägt den Titel: „Arbeitszeitmodelle der Zukunft“ (Haufe Verlag).

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