Fünf Fragen an Professor Dr. Stefan Strohmeier

„Informationstechnologie ist in doppelter Weise wichtig für die Personalarbeit und wird es in Zukunft noch mehr sein“, sagt Professor Stefan Strohmeier von der Universität des Saarlandes. Im Gespräch mit perbit gibt er einen Einblick in die Praxis der IT-gestützten Personalarbeit sowie einen Ausblick in künftige Entwicklungen.

Frage eins: Aktuell befassen sich zahlreiche HR-Veranstaltungen mit dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt. Wie wichtig ist IT für die praktische Personalarbeit?

Stefan Strohmeier: Zur Beantwortung der Frage muss man zwei Aspekte unterscheiden: zum einen die anhaltende Digitalisierung der Arbeitswelt und zum anderen die anhaltende Digitalisierung der Personalarbeit. Ersteres führt zu umfassenden Veränderung der Arbeitsorganisation und -inhalte und damit der qualitativen und quantitativen Mitarbeiterbedarfe. Gerade die sich derzeit abzeichnenden Entwicklung zum „Internet der Dinge“ und zu „Industrie 4.0“ wird erhebliche Veränderungen mit sich bringen, auch wenn wir diese noch nicht vollständig verstehen. Hiervon werden Mitarbeiter und Personalarbeit in erheblicher Weise betroffen sein. Letzeres führt seit über zwei Dekaden zur Veränderung von Arbeitsorganisation und -inhalten der Personalarbeit mit entsprechenden Folgen für qualitative und quantitative Bedarfe an Personalfachleuten. Auch wenn hier nicht alle Bereiche gleichermaßen betroffen sind, weisen intensive „informatisierte“ Funktionsbereiche wie das Recruiting inzwischen erhebliche Veränderungen auf. Insofern lautet die Antwort: Informationstechnologie ist in doppelter Weise wichtig für die Personalarbeit und wird es in Zukunft noch mehr sein.

Frage zwei: Die technischen Möglichkeiten sind gegeben, aber viele Unternehmen nutzen ihre Human-Resources-Management-Systeme nicht vollumfänglich, sondern konzentrieren sich lediglich auf einige Standard-Anwendungen. Was ist der Grund dafür?

Stefan Strohmeier: Tatsächlich berichten einige HR-Softwareanbieter übereinstimmend davon, dass sie unter anderem deswegen keine Innovationen und weitere Entwicklungsanstrengungen unternehmen müssen, weil bereits vorhandene und angebotene Module und Funktionalitäten nur zögerlich adoptiert werden. Wissenschaftlich wissen wir nur wenig über dieses Phänomen – eine Vermutung liegt darin: Die Personaler kommen vor lauter Sägearbeit nicht zum Sägeschärfen. Sie sind permanent operativ gefordert. Die Auswahl und Implementierung neuer Software kostet sehr viel Zeit, die sie sich nicht nehmen, obwohl dies besonders sinnvoll wäre.

Frage drei: Was würden Sie einer Personalabteilung empfehlen, damit diese mehr Nutzen aus ihrer IT ziehen kann?

Stefan Strohmeier: Es ist meine grundsätzliche Überzeugung, dass HR-Software nicht „von allein“ zu Nutzen führt. Sie bietet lediglich ein Potenzial Nutzen zu erzielen, das jeder einzelne Anwender jeden einzelnen Tag aufs Neue zielgerichtet ausnutzen muss. Relevant ist neben einer adäquaten Auswahl und Implementierung insbesondere die systematische und anhaltende Schulung und Begleitung der Anwender. Die Anwender entscheiden letztlich über den faktisch erzielbaren Nutzen – aber sie werden nach Implementierung der Software zu oft sich selbst überlassen mit stark divergierenden Folgen für den Nutzen.

Frage vier: Sind andere Länder weiter, was die IT-Nutzung in der Personalabteilung betrifft?

Stefan Strohmeier: Die international komparative e-HRM Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Eine Studie, die ich zusammen  mit der Universität Paderborn angefertigt habe, zeigt, dass der generelle technische und wirtschaftliche Entwicklungsstand signifikant positiv mit der Adoption von HR-IT in einem Land korreliert. Es gibt allerdings eine wesentliche und überraschende Ausnahme: Die post-kommunistischen Länder Ost-Europas zeigen einen überraschend hohen Stand an HR-Technikeinsatz.

Frage fünf: Wo sehen Sie die Zukunft der IT-gestützten Personalarbeit?

Stefan Strohmeier: Die Entwicklung zum „Internet der Dinge“ wird auch IT-Einsatz im Personalmanagement erheblich beeinflussen. Hunderte von Sensoren an Arbeitsmitteln und Geräten – vom Schlagschrauber bis zum Auslieferungsfahrzeug – werden uns feingranulare, zeitbezogene Daten liefern und das Zeitalter der „Big Data“ auch im Personalmanagement einläuten. Hier wird es darauf ankommen, diese Daten für eine sinnvolle Bedarfs- und Einsatzplanung, Entwicklung, Leistungsbeurteilung und Vergütung zu nutzen – unter Beachtung von Sicherheit und Schutz der Daten. Dies ist eine spannende und ohne Frage herausfordernde Aufgabe künftiger Softwareentwicklung für die Personalarbeit.

Zur Person

Prof. Dr. Stefan Strohmeier ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre insbesondere Management-Informationssysteme an der Universität des Saarlandes. Sein aktuelles Buch „Human Resource Intelligence und Analytics“ (Springer Gabler, 2015), das er zusammen mit Franca Piazza herausgegeben hat, befasst sich mit der Bereitstellung und Verwendung entscheidungsunterstützender Informationen im Personalmanagement.

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